Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


12.1. Diabetes, Übergewicht und überschüssige Magensäure

In der Gegend um die Pyramiden von Teotihuacan in Mexiko, wo das Opuntien-Anbaugebiet Milpa Alta liegt, tritt Diabetes mellitus äußerst selten auf. Die wenigen vorliegenden klinischen Untersuchungen scheinen die antidiabetische Wirkung der Opuntien-Blattsprosse zu bestätigen. Frische, gekochte, geschälte, frisch gepresste und lyophilisierte Nopalitos wurden untersucht (Frati-Munari et al. 1983, Fernandez-Harp et al. 1984) und ergaben eine für den Diabetiker interessante Senkung der Serumkonzentrationen von Cholesterol, Triglyceriden und Glucose. Messungen nach zehntägigem Verzehr als Gemüse (3x täglich 100g) zeigten signifikant niedrigere Werte für alle drei Parameter. Der Effekt war besonders deutlich bei Patienten, die an Diabetes oder Fettleibigkeit litten, bei gesunden Patienten mit Normalgewicht oder geringem Übergewicht (bis 8%) waren die Ergebnisse teilweise nicht signifikant. Der regelmäßige Verzehr der Blattsprosse kann daher für Patienten mit Hyperlipidämie, Diabetes mellitus oder Fettleibigkeit hilfreich sein, wenn teure Arzneimittel bei einem mangelhaft ausgebauten Gesundheitssystem nicht bezahlbar sind. 

Der Saft aus frisch gepressten Nopalitos der Art O. streptacantha zeigt auch an pankreatektomierten (künstlich entfernte Bauchspeicheldrüse) Kaninchen einen Abfall der Glukosewerte in den ersten vier Stunden nach Einnahme (Ibanez-Camacho und Roman-Ramos 1979, Ibanez-Camacho et al. 1983). Die Autoren vermuten als wirksames Prinzip eine ähnlich hohe Konzentration der Glukose-6-phosphat-Isomerase in O. streptacantha wie sie für Opuntia ficus indica nachgewiesen werden konnte.

Eine Verbesserung der Symptomatologie erfolgt bei Diabetes-Patienten auch nach regelmäßiger Einnahme des Saftes der Art Joconostle (Meckes-Lozoya et al. 1986). Insulin und Glukose-Werte normalisierten sich, Cholesterol und Triglycerid-Werte konnten gesenkt werden.

Neben dem hipoglycämischen Effekt (Senkung des Glucosespiegels) bei Diabetikern konnten mexikanische Ärzte auch  bei nicht-diabetischen Personen mit Übergewicht eine Abnahme des Körpergewichts und eine Senkung von Cholesterol und Tryglyceriden im Blutserum feststellen. Die Patienten hatten  während 10 Tagen vor jedem Essen Feigenkaktus-Kapseln zu sich genommen.

Der Feigenkaktus scheint auch ein wirksames Mittel zur Senkung der Magensäure zu sein. Die Pflanze kann also zur Behandlung von Störungen des Säurehaushalts des Magens genutzt werden, wodurch bestimmte Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarms vermieden werden könnten.