Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


13.
Opuntien zur Cochenillerot-Produktion

Der Feigenkaktus liefert über einen Umweg, nämlich mit Hilfe einer Kaus, den roten Farbstoff Cochenille. Die sogenannte Cochenille-Laus, die auf dem Feigenkaktus lebt und sich von seinem Saft ernährt, ist der eigentliche Produzent des hochwertigen Karmin- oder Cochenillerot. Diesen Naturfarbstoff setzt die Industrie zum Färben von Textilien, Lebensmitteln, alkoholischer Getränke und Lippenstifte ein.

Die Gewinnung von Karminrot aus Cochenille-Läusen wurde schon von den Indianern praktiziert (vgl. Hoffmann 1978). Diese Produktion hat sich noch in Südamerika, speziell in Peru (größter Produzent) erhalten, wird seit langem auf den Kanarischen Inseln, vornehmlich auf Lanzarote, betrieben und wird neuerdings in Südafrika in moderner Weise angekurbelt (vgl. Hoffmann 1979, Lindlinger 1911), Zeisner 1987, Wiemeler 1988). Dabei werden die Opuntien und Cochenillekulturen auf Lanzarote in ähnlicher Weise wie in Peru kultiviert (Zeisner 1987). Die Inokulation (Beimpfung) mit den Läusen erfolgt, wenn überhaupt erforderlich, jeweils nach der Regenzeit. Meist werden Säckchen mit "Madres" (Mütter) für 24 Stunden über die Kladodien gehängt, so daß die Larven überwandern und sich auf den Kladodien festsetzen können. Je nach Witterung entstehen 3 - 4 Generationen. Von Juni bis November können dann Cochenille-Läuse durch Abkratzen gewonnen werden. Die geernteten Insekten werden über heißem Wasserdampf oder durch Überschütten mit heißem Wasser abgetötet und anschließend in der Sonne getrocknet. Die Rohware wird anschließend gereinigt, um höhere Preise zu erzielen. Von 1981 bis 1986 stieg die Gesamtproduktion von 13,3 to auf 23 to. Die Ernte wird exportiert, wovon Italien mehr als die Hälfte aufnimmt. In den letzten Jahren verlor die Produktion des natürlichen Farbstoffs auf Lanzarote immer mehr an Bedeutung, weil in ihrer Leuchtkraft gleichwertige chemische Farbstoff heute meistens billiger produziert werden können. Auf den anderen Kanarischen Inseln wurde der Cochenillefarbstoff nur vereinzelt produziert und hat dort nie die wirtschaftliche Bedeutung wie auf Lanzarote erreicht.