Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
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14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


9. Inhaltsstoffe und spezielle Nährstoffe der Früchte, Blüten und Blätter

Aus den wenigen bisher vorliegenden Veröffentlichungen über die chemische Zusammensetzung der Früchte des Feigenkaktus lassen sich nur begrenzt Aussagen ableiten. Tabelle 1 fast die Angaben verschiedener Quellen zusammen: Woirgardt 1988 (a), Brutsch 1984 (b), Souci et al. 1989 (c).

Tab. 1 Nährstoffgehalte je 100 g frische Kaktusfeigen

(a)

(b)

(c)

Wasser

85,38 g

83,2 - 84,6 g

86,4 g

Protein

0,98 g

1,4 - 1,6 g

1,00 g

Fett

0,38 g

0,5 g

0,40 g

Kohlenhydrate

10,8 g

10,6 - 11,8 g

7,10 g

Glukose

5,07 g

--

6,50 g

Fruktose

0,41 g

--

0,60 mg

Saccharose

0,145 g

--

--

Ballaststoffe

--

--

5,00 g

Mineralstoffe

--

0,4 g

0,30 g

Kalium

115,5 mg

--

90,00 mg

Kalzium

29,95 mg

13,8 - 15,5 g

28,00 mg

Magnesium

23,7 mg

21,0 - 22,1 g

--

Eisen

--

0,7 - 0, 8 g

0,30 mg

Retionaläquivatente

--

--

9,17 m g

b -Carotin

--

--

49,00 m g

Vitamin B 1

14 m g

30 -50 m g

18,00 m g

Vitamin B 2

27m g

25 - 28 m g

30,00 m g

Niacin

--

0,46 - 0,59 mg

0,38 mg

Vitamin C

22,1 mg

17,0 - 21,9 mg

23 mg

 

Tab. 2  ausgewählte Nährstoffgehalte der Kaktusfeige im Vergleich mit heimischen Obstarten (Angaben in mg je 100 g frisches Obst)

Obstart

Vitamin C

Vitamin A

Kalzium

Magnesium

Kaktusfeige

23

9

28

24

Apfel

12

8

7

6

Birne

5

5

9

8

Erdbeere

62

13

24

15

Kirsche

15

14

20

8-15

Pflaume

5

35

14

10

Wasser- und Fettgehalt sowie der Anteil an Kohlenhydraten in Kaktusfeigen entsprechen im Durchschnitt den Werten anderer Früchte. Sowohl der Roheiweißgehalt als auch die Glucose-Werte sind verhältnismäßig hoch, während Saccharose nahezu überhaupt nicht vorhanden ist. Bei den Mineralstoffen fällt vor allem der relativ hohe Anteil an Magnesium und Kalzium auf. Auch der Vitamin C-Gehalt ist recht hoch. Generell sind die Inhaltsstoffe in Kaktusfeigen mit anderen Früchten vergleichbar, da sie bis auf wenige Ausnahmen den Durchschnittswerten entsprechen oder sie übertreffen. Dies gilt vor allem, wenn man sie den heimischen Obstsorten gegenüberstellt (Tab. 2, Souci et al. 1989). Für die überwiegend arme Landbevölkerung in den Gegenden, wo Opuntien-Wildbestände gedeihen, sind Kaktusfeigen aber eine wertvolle Quelle für eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen.

Die für die Früchte und Blüten charakteristischen Farbstoffe sind die Betaxanthine. Die roten bis violetten Betacyanen, die ihren Name von der Roten Rübe (Beta vulgaris) haben, sowie die gelben bis orangenen Betaxanthine, die bis her vor allem in Kakteen gefunden wurden, werden zur Gruppe der Betalaine zusammengefasst. Ebenfalls in den Blüten und Früchten findet man Betain, das zu erst aus der Rübe isoliert wurde. Betaine findet man aber auch in Miesmuscheln und Krabbenfleisch. Pharmakologisch ist die Senkung des Blutcholesterins und die Normalisierung des Fettstoffwechsels belegt.

Über die genaue Zusammensetzung der Blüten ist noch wenig bekannt. Bei einigen Indianerstämmen genießen die Blüten aber eine ähnlich mystische und kraftspendende Bedeutung wie bei uns der Propolis, die Pollen oder das Gelee Royal. Aus Israel ist die Verwendung der Opuntien-Blüten als Tee bekannt, wobei eine gewisse blasenstärkende Wirkung nach regelmäßigem Trinken bei Frauen beobachtet wurde. Vom pharmazeutischen Blick ist daher der in den Blüten nachgewiesene hohe Gehalt an b-Sitosterin und Isorhamnetinglucosid interessant (Arcoleo 1966).

Für die Nopalitos gelten als Richtwerte 91% - 92 % Wasser, 1,1 % - 0,66 % Rohprotein, ca. 0,1 % Fette, 4,6 %- 5,5% Kohlenhydrate, ca. 1,1% Zellulose und 1,3 % - 1,6 % Asche (Rodriguez-Felix, 1988), dabei ist der Anteil der Trockensubstanz und der Inhaltsstoffe art- und sortenspezifisch und von den Kulturmaßnahmen abhängig.
Die Nopalitos sind verglichen mit vielen anderen Gemüsen kein ausgesprochen vitamin- und mineralstoffreiches Nahrungsmittel. Pro 100 g enthalten sie:

ß-Carotin        0,25 mg
Thiamin           0,02 mg
Riboflavin        0,08 mg
Niacin             0,24 mg
Vitamin C      12,30 mg
Eisen               2,34 mg
Kalzium           0,82 mg