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1. wirtschaftliche
Bedeutung der Opuntien |
11.2. Blattsprosse |
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Die Verwendung junger
Opuntiensprosse als Gemüse ist nicht so
populär wie die Obstnutzung der Früchte und wird in Mexiko hauptsächlich im Gebiet von
Milpa Alta praktiziert. Dort hat sich ein intensiver Anbau entwickelt, der
für die Versorgung der ländlichen Bevölkerung durchaus von Bedeutung ist
(Hoffmann 1983, Barrientos 1984). Immer häufiger gibt es mexikoweit und in
dem angrenzenden, spanischsprechenden USA Blattspross-Konserven auch in den Lebensmittelgeschäften. Mexiko: Milpa Alta: bei der Blatternte werden die jungen Sprosse mit Handschuhen und Messer abgeschnitten und in Körben gesammelt Besonders innovativ sind die Kleinbauern im südlich von Mexiko-Stadt gelegenen Milpa Alta. Der Name der Ortschaft (= hohes Maisfeld), weist darauf hin, dass hier ein besonders guter Mais wächst. Als aber im Zuge der "Grünen Revolution" die teuren Hybridsorten von Mais die alten Landsorten der Campesinos verdrängten, besannen sich diese auf den steigenden Bedarf an Gemüse-Opuntien. Die Aufnahme neuer Produktionstechniken brachte einen beachtlichen Innovationsschub. Die bepflanzten Flächen bei den Pyramiden von Teotihuacan unterscheiden sich weder in ihrer Anlage noch in ihrer Bewirtschaftung von anderen Obstanbaugebieten. Winterlicher Rückschnitt, Ernte und Vermarktung sind identisch. Geringer Wasseranspruch der Pflanzen und das fast völlige Fehlen von Maßnahmen des Pflanzenschutzes bilden allerdings einen deutlichen Unterschied zu anderen Obstarten. Die dornenlosen Kultursippen werden durch Stecklinge vermehrt. Die Düngung der Pflanzungen findet ausschließlich mit dem reichlich anfallendem Stallmist aus der Massentierhaltung statt, die die Bevölkerung der Hauptstadt mit Milch versorgt. Über sehr hohe Gaben von Stallmist (200 t/ha) werden die Pflanzen mit hohen Nährstoffmengen versorgt. Gleichzeitig wird der Humusgehalt des Bodens erhöht und die Mist-Mulch-Schicht vermindert die Evaporation. Etwa 5 bis 8 Monate nach der Pflanzung findet die erste Ernte statt. Pflanzabstände
und -tiefe bestimmen den Ertrag Die Erträge sind abhängig vom Alter und Zustand der Pflanzung. Sie liegen
im Intensivanbau bei 800 bis 1200 dt/ha und können durch den Einsatz von
Folientunneln bis zu 4000 dt/ha und Jahr erreichen. Etwa 9 Jahre lang werden
die Dauerkulturen genutzt, ohne dass Bodenmüdigkeit auftritt. Es ist
möglich, 7 bis 8jährige Pflanzungen durch einen Rückschnitt noch einmal 4
bis 5 Jahre lang zu nutzen. Nach einer gründlichen Bodenbearbeitung können
auf der gleichen Fläche sogar erneut Opuntien angebaut werden ohne dass es
Einbussen im Ertrag gibt..
Würden Nopalitos wie anderes Gemüse in Holzkisten transportiert, so wäre die Ladefläche der Lastwagen auf der Rückfahrt mit leeren Kisten besetzt. Ein gleichzeitiger Transport von Stallmist auf der Rückfahrt vom Markt wäre unmöglich. So entstand ein völlig neues Verpackungssystem, das nur von den Nopalitos in Milpa Alta bekannt ist. Mit Hilfe eines Metallringes werden am Feldrand die Nopalitos aufgeschichtet und die Stapel anschließend mit Laken umhüllt und zu den Märkten transportiert. Der Verkauf der Nopalitos erfolgt auf den großen Märkten der Hauptstadt. Immer mehr an Bedeutung gewinnt auch die Verarbeitung der Nopalitos zu Nasskonserven (nopalitos en escabeche oder al natural) in nahegelegenen Fabriken. Das Dosengemüse ist in ganz Mexiko, Kalifornien und Florida im Handel. Erntegut aus Opuntia-Wildbeständen oder aus dem häuslichen Garten wird als Volksnahrung direkt verwertet, gebraten, gekocht oder geschmort. Tendenziell nimmt diese Form der Nutzung in den letzten Jahrzehnten aber leider ab. Dies ist deshalb besonders bedauerlich, weil diese Form des Anbaus und der Nutzung standortgerecht ist und vom Ökosystem gut vertragen wird. Der experimentelle Anbau von Opuntien im Rheingau zur Produktion von Nopalitos unter Folie ist aus klimatischer Sicht durchaus möglich und bereitet keine größeren Schwierigkeiten. Ob Nopalitos auf dem mitteleuropäischen Markt abzusetzen sind und der Anbau lohnend wäre, müssten weitere Versuche und eine gezielte Werbung zeigen. Die Produktionskosten mit der arbeitsintensiven Ernte und der erforderliche Energieeinsatz zur notwendigen Überwinterung der Pflanzen wären zu klären. Die vom Gesetzgeber vor wenigen Jahren verabschiedete Novel Food Verordnung ist ein neuer Hinderungsgrund für die Vermarktung in Deutschland. Danach dürfen neuartige Lebensmittel, die vor Ende der neunziger Jahre in der EU nicht in nennenswertem Umfang bekannt waren, in der EU nicht vertrieben werden. Angesichts der zahlreichen positiven Beispiele für eine Angebotserweiterung heimischer Nahrung durch exotische Pflanzen in den letzten Jahrzehnten, eine neue, sehr unsinnige bürokratische Regelung in Europa. Wer kannte vor Jahren Zucchinis, Auberginen, Avocados oder Kiwis und konnte deren Siegeszug in den Lebensmittelmärkten vorhersehen? Was ursprünglich nur für genetisch veränderte oder durch Mikroorganismen veränderte Lebensmittel geplant war, erschwert jegliche Innovation in Europa und trifft die europäischen Absatzmärkte der Drittewelt-Länder. |