Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


10. Opuntien als Unkraut

Durch das schnelle Wachstum der Opuntien und den relativ wenigen natürlichen Feinden kann der Nopal auch zum landwirtschaftlichen Problem werden. Wenn man nämlich den Kakteenanbau allzu sehr forciert, breiten sich die Stachelpflanzen schnell aus, so dass direkt daneben auf Dauer kein Acker bestehen kann. Der Anbau sollte sich daher auf Gebiete beschränken, in denen andere Gewächse sowieso keine Chance haben, z. B. in extremen Trockenzonen. Landwirtschaftsexperten empfehlen außerdem, den Kaktus immer nur teilweise zu verwerten; sonst würden laufend aufwendige Neuanpflanzungen nötig.

Die Opuntie hat besonders den Farmern in Australien und später auch in Südafrika schon viel Kummer bereitet, indem sie sich ungehemmt über große Weidegebiete verbreiten konnte. Millionen von Hektar Weideland wurden unbrauchbar, da die dort gehaltenen Rinder die bedornten Opuntien nicht fraßen. Die Ursache für die starke Verunkrautung der Weidegebiete mit Opuntien lag vornehmlich im Fehlen der natürlichen Krankheits- und Schädlingspopulationen des Ursprungslandes. In den 20er Jahren befaßte sich das australische Parlament mit der Kakteenverunkrautung der Weidegebiete, was zur Bildung einer Prickly Pear Destruction Commission führte. Die Farmer standen diesem "Weideunkraut" fast hilflos gegenüber, da weder Feuer noch die sonst zur Unkrautbekämpfung üblichen Werkzeuge, wie Hacke und Buschmesser halfen. Ein Zerhacken oder Zerkleinern der Opuntien ohne Wegräumen vom Felde führt nur zu einer weiteren Vermehrung der Opuntienpopulation, da sich praktisch jeder Kaktusspross wieder bewurzeln kann. Nur wenn die Kakteenreste in den Boden eingearbeitet werden, kann man einen echten Bekämpfungserfolg erwarten. Erst durch die Nachführung der natürlichen Schaderreger (Insekten, meist Lepidopheren, Milben und Pilze, vor allem Cactoblastis cactorum und Dactylopius opuntiae) konnten die Feigenkakteen zurückgedrängt werden. Diese Art der Opuntienbekämpfung ging überall auf der Welt als Paradebeispiel der biologischen Unkrautbekämpfung in die Literatur ein (Franz und Krieg, 1982).

Doch wie jede Medaille zwei Seiten hat, gibt es auch bei dieser Maßnahme eine Schattenseite. Während durch die biologische Bekämpfung Millionen Hektar von Weideland in Australien von der Opuntienverunkrautung (Prickly Pear Pest) befreit wurden, befielen dieselben nützlichen Schädlinge in den 50iger Jahren die zur Futternutzung angepflanzten dornenlosen Opuntien-Neuzüchtungen in Südafrika. Zur Abwendung dieses Schadens waren die Farmer zunächst gezwungen, Insektizide einzusetzen. Später führte man cactoblastis-resistente Sorten zur Sicherstellung der Futterversorung in den Trockengebieten ein.