Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


11.1. Früchte und Blüten als Nahrung

Der Wert des Marktes mit Opuntia-Früchten kann man kaum beziffern, da über den Handel keine Statistiken veröffentlicht werden. Italien baut Opuntien auf mehr als 180.000 ha, Tunesien auf 100.000 ha, Mexiko auf 15.000 ha an. Spanien erzeugt jährlich etwa 4.700 Tonnen Kaktusfeigen auf rund 8.000 Hektar.

Erythrea, Opuntien-Markt in Asmara

Vor allem in Mexiko verarbeiten Familien oder kleinere Betriebe die Früchte (tuna) zu Sirup, Gelees und Marmeladen (melcocha), Trockenfrüchte (pasadas), Honig (miel de tuna), Fruchtpasteten oder Käse (queso de tuna), Wein, Branntwein, Alkohol (Hoffmann 1988). Durch Gärung wird aus den Früchten schon seit aztekischer Zeit ein alkoholisches Getränk hergestellt, der Colonche. Gern geben die mexikanischen Indianer auch dem Pulque, einem berauschenden Getränk aus dem Saft der Algave, zur Geschmacksverbesserung Kaktus-Fruchtsaft bei.

Nach Mexiko begann sich langsam auch in Sizilien (Scholz 1988, Woirgardt 1988, Barbera et al. 1992), Israel (Nerd et al. 1991), Südafrika (Brutsch 1984) und anderen Gebieten der Erde, wo mehrere benachbarte Farmen Opuntien kultivieren, in der Umgebung eine örtliche Kleinindustrie zur Verarbeitung der Früchte zu installieren.

Frisch aufgeschnittene rote Frucht

Die Blüten spielen in der Ernährung eine eher untergeordnete Rolle, da die Früchteproduktion ökonomisch interessanter ist. In Baja California, wo Opuntien und andere Kakteen die Landschaft prägen, werden Blüten noch heute von der einheimischen Bevölkerung gern verzehrt. Den Nährwert schätzen einige Indianerstämmen zur Stärkung der Abwehr und der Manneskraft. Die mystische Bedeutung der Blüten, die nur 1 bis 2 Tage blühen, stammt wohl noch aus der Aztekenzeit. 

Auf den kanarischen Inseln wird aus den Blüten ein Schnaps gebrannt. In Israel sind Tees aus den Blüten der Opuntia ficus indica ähnlich begehrt wie bei uns der Kamillenblütentee. Die getrockneten Blüten werden mit heißem Wasser übergossen und geben eine klare gelbe Flüssigkeit, die kalt oder warm getrunken werden kann. In den Blüten hat man einen hohen ß-Sitosterin-Gehalt festgestellt. Dieser Wirkstoff, den man auch von anderen Pflanzen her kennt, hat eine positive Wirkung auf Blase und Prostata. Die Entdeckung der blasenstärkenden Wirkung stimmt gut überein mit Beobachtungen aus Mexiko, wo die Blüten verzehrt werden, und bei älteren Personen daraufhin der nächtliche Harndrang nachließ. Auch in den Niederlanden, Deutschland und Österreich gibt es bereits getrocknete Blüten auf dem Markt.

getrocknete Blüten, wie Sie auch in Deutschland im Handel sind, ergeben einen fruchtig-gelben Tee