Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


5. Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung

Die Ursprünge dieser alten Kulturpflanze gehen über 8.000 Jahre zurück. Die paläo-indianische Wirtschaftsform, die in vieler Hinsicht jener im eurasischen Spätpaläolithikum ähnelte, konnte nur wenige über sehr große Gebiete verstreute Menschen ernähren. Der Übergang vom Wildbeutertum zur Pflanzenkultivierung mag sich deshalb schon im dritten Jahrtausend vor Chr. abgespielt haben, nachdem über einige Jahrtausende hinweg das Bemühen, größere Opuntien-Früchte zu ernten, unbewusst eine Reihe von Pflanzenbeständen begünstigt hatte, die sich gezielt für den Anbau nutzen ließen. Erst das zufällige Entstehen und Selektieren von Hybriden machte aus domestizierten Wildpflanzen eine Kulturpflanze. Amerikanische Kakteen haben einen Chromosomensatz von 2n = 22, die weltweit angebaute Opuntia ficus indica besitzt dagegen bis zu 2n = 88 Chromosomen, ein deutlicher Hinweis auf den Status der frühen Kulturpflanze (Hoffmann 1988). Archäologische Funde von Pflanzenteilen mit polyploidem Chromosomen-Satz lassen erkennen, dass es sich bei den Opuntien tatsächlich um eine der ältesten Kulturpflanzen Amerikas handeln muss.

die mexikanische Hochebene ist vermutlich die Heimat des Feigenkaktus

Bereits die Azteken kannten eine dornenarme Sorte des Nopal, als der Feigenkaktus vor 500 Jahren mit den ersten Amerika-Heimfahrern nach Europa kam. Nicht nur ihr bizarres, für Europäer ungewohntes Aussehen, sondern auch die von den Azteken zugesprochene heidnische Wirkung begeisterte die Europäer. Von Spanien breitete er sich schnell über die ganze Mittelmeer-Region, nach Nordafrika bis in die Sahelzone, nach Kenia, Madagaskar, Südafrika, Indien und Australien aus. Auf Sizilien erreichte der Feigenkaktus bereits im 18. Jahrhundert nach Wein und Olive die drittwichtigste Stellung in der Landwirtschaft (Guiseppe 1992).

Von allen Kakteen hat der Feigenkaktus sicherlich die weiteste Verbreitung in der Landwirtschaft gefunden (Reimers 1984, Barbera et al. 1992, Breidung 1984, Brutsch 1984, Scholz 1988).

Früchte, Sprosse oder Blüten der Opuntien stehen in vielen Teilen der Welt auf dem Speiseplan. Weltweit dominiert die Nutzung der Wildvorkommen, wenn es um die Ernährung von Menschen und Vieh geht. Zunehmend wird der Feigenkaktus aber auch zur Selbstversorgung in Hausgärten, zur industriellen Verarbeitung oder zum Export in Plantagen angebaut. Der Anbau zur Deckung des Marktes weitet sich deshalb beständig aus. Dabei werden vornehmlich marginale und nicht bewässerbare Standorte bepflanzt. Die Jungpflanzen benötigen nur im ersten Jahr eine gelegentliche Bewässerung. Werden die fleischigen Blätter abgeschnitten und auf den Boden gelegt, wachsen aus ihnen umgehend neue Wurzeln.

Im Zusammenhang mit der schnellen vegetativen Vermehrung muss auch erwähnt werden, dass durch Opuntien praktisch Millionen Hektar von Weideland vor allem in Australien und Südafrika unbrauchbar wurden. Die Ursache der Verunkrautung weiter Landstriche lag im Fehlen der natürlichen Krankheits- und Schädlingspopulationen. Zum Paradebeispiel der biologischen Unkrautbekämpfung wurden Opuntien, als es durch Nachführung von natürlichen Schaderreger aus dem Ursprungsland wie z. B. bestimmter Insektenarten, der Kakteenmotte (Cactoblastis cactorum) und der Cochenille-Laus (Dactylopius opuntiae), aber auch durch cactophage Pilze gelang, die Feigenkakteen zurückzudrängen (Franz und Krieg 1982, Zimmermann 1984).

Was für die landwirtschaftliche Nutzung des Feigenkaktus ein Segen ist, macht ihn für das Gewächshaus ungeeignet: sein schnelles Wachstum. Ein einziger Spross von Opuntia ficus indica kann im ersten Jahr 8, im zweiten Jahr 64 Sprosse tragen.

Es gibt eine große Vielfalt von Arten, welche in unterschiedlicher Weise genutzt werden, zum Beispiel: der Nopal Rastrero (O. Rastrera) oder Nopal Cuija (O. Cantbrigiencis) werden für Futtermittel verwandt. Die vor allem in der Gegend von Milpa Alta, Mexiko, vorkommende Art, der Nopal Comun (O. Ficus indica), wird als Nahrungsmittel genutzt. Der Nopal Comun, auch wilder Nopal genannt, ist von besonderem Interesse für den menschlichen Konsum, da er wenig Fasern und einen geringen Säuregehalt aufweißt. Bereits in den siebziger Jahren wurde in Mexico damit begonnen, Auslesen durchzuführen, um die Qualität des Nopals als Frischfrucht und Trockenfutter zu verbessern. Als Resultat dieser Arbeit erhielt man eine Varietät, welche als Gemüse verwendet werden kann und unter dem Namen Tlaconopal (Opuncis inermis) bekannt ist. Diese Varietät produziert fleischige Knospen mit sehr wenigen Stacheln und besitzt den Vorteil, dass ihr Geschmack nicht sauer ist.