Opuntien

  1.      wirtschaftliche Bedeutung der Opuntien
  2.      was ist ein Kaktus?
  3.      Biologie der Opuntien
  4.      Standort und Klima
  5.      Ursprung und landwirtschaftliche Nutzung
  6.      Früchte
  7.      Blüten
  8.      Blattsprosse (Nopalitos)
  9.      Inhaltsstoffe
10.     Opuntien als Unkraut
11.     Ernährungsgrundlage für die Dritte Welt
11.1.  Früchte und Blüten

11.2.  Blattsprosse
11.3.  Viehfutter
12.     medizinische Bedeutung
12.1.  Diabetes
12.2.  Blasenschwäche und Prostata-Beschwerden
12.3.  Handelspräparate zur Nahrungsergänzung
13.  
   Farbstoffproduktion
14.     weiterführende Literatur
14.1.  Fachbücher
14.2.  wissenschaftliche Publikationen 
14.3.  weiterführende Links
15.     Autor


12. Medizinische Bedeutung

Erst Anfang dieses Jahrhunderts wurden wissenschaftliche Untersuchungen zu Kultivierung, Ernte, Inhaltsstoffen und Verwendungsmöglichkeiten von Opuntien eingeleitet. Die klinische Überprüfung traditionell-medizinischer Anwendungen hat gerade erst begonnen. Gerade Mexikos Pharmakologen scheinen den Kaktus jetzt als nationalen Schatz entdeckt zu haben, zu einem Zeitpunkt, wo bereits annähernd 30 Arten als von der Ausrottung bedroht und mehr als 60 Arten als gefährdet gelten.

Dabei fanden fast alle Teile der Opuntien traditionell bei den mexikanischen Indianerstämmen Verwendung: die Früchte als Obst, die jungen Blattsprosse als Gemüse, die Blüten als Kraftnahrung. Noch heute verzehren die Hopi-, Pima- und Papago-Indianer die Knospen von Cylindroopuntien. Mit Mörsern und Stößeln wird Mehl aus den Samen bereitet. Auch für allerlei medizinische Zwecke verwerten die Indianer die Pflanze (Allemand 1958, Tate 1969, Meyer und McLaughlin, 1981).

Francisco Hernández, ein von Felipe II entsandter Oberarzt, welcher die Botanik des "Neuen Spaniens" studieren sollte, bescheinigte in seinem Report diesem stacheligen Gewächs, dass es "das Fieber in beachtlichem Maße senke, den Durst besänftige und die inneren Organe befeuchte: die Frucht stoppt den Durchfall, besonders wenn dieser durch Hitze ausgelöst wurde. Sein Saft regelt die Hitze der Nieren und ist ein ansehnliches Mittel gegen das gallige und bösartige Fieber, besonders wenn man ihn mit dem Saft der Pitaya mischt. Seine Wurzeln, zusammen mit einer Art der Geranie benutzt, helfen gegen die Epilepsie und mildert Fieber jeglichen Ursprungs. Auch sind die Wurzeln ein gutes Mittel für die gereizte Leber. Man sagt, dass die Wurzeln bitter schmecken und Magengeschwüre vernarben".

Die arzneiliche Bedeutung der Opuntien ist der Verwendung als Lebensmittel nachgeordnet. In keinem gültigen europäischen Arzneibuch werden Opuntien aufgeführt. Die British Herbal Pharmacopoeia 1983 gibt für die Opuntia-Blüten folgende Indikationen an: Kolitis, Diarrhö, Hypertrophie der Prostata. Den Indianern sind die Nutzungsmöglichkeiten der wilden Opuntien schon lange bekannt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Nopal auch ein Bestandteil vieler Indianermedizinen ist. Hopi-, Pima- und Papago-Indianer verzehren die Knospen von Cylindroopuntien. Aus den Samen gewinnen die Indianer mit Hilfe von Mörsern und Stößeln ein Mehl . Sie nutzen die Pflanzen auch für medizinische Zwecke (Allemand, 1958; Tate 1969; Meyer und McLaughlin, 1981). Die mexikanische indigene Bevölkerung nutzt die blasenstärkende Wirkung, seit man beobachtet hat, das besonders ältere Menschen nachts seltener "raus mussten", wenn Opuntienblüten vermehrt verzehrt wurden.

In der neueren medizinischen Literatur konzentrieren sich die Arbeiten auf zwei Aspekte: die Verwendung der Blüten bei Prostata-Hypertrophie und Blasen schwäche sowie der Blattsprosse (Nopalitos) bei Diabetes.